

Puur ontwerp of meer?
Warum hat die eine Champagnerflasche einen breiten Bauch, während die andere eine transparente Flasche oder einen auffallend kurzen Hals hat? Ist es reines Design oder steckt mehr dahinter?
In dieser vierteiligen Serie entdecken Sie die Geschichten hinter den außergewöhnlichsten Champagnerflaschen. Einige Designs sind Hunderte von Jahren alt und erzählen etwas über die Geschichte eines Champagnerhauses. Andere Flaschen entstanden aus Sicherheitsgründen, Kunst oder moderne Markenerlebnisse.
In diesem ersten Teil tauchen wir in die historischen Flaschen ein. Du entdeckst, warum Ruinart noch immer bezieht sich auf das achtzehnte Jahrhundert, wie Cristal speziell für einen russischen Zaren entworfen wurde und De Venoge Prinzen wird in eine Flasche abgefüllt, die an die Kristallkaraffen der europäischen Aristokratie erinnert.
Mit diesen Champagnern beginnt die Geschichte also schon, bevor der Korken aus der Flasche kommt.
Warum hat Ruinart eine so besondere Flasche?
Eine Flasche Ruinart erkennt man oft schon, bevor man das Etikett gelesen hat. Die breite Form, runden Schultern und der schmale Hals machen die Flasche sofort anders als die meisten Champagnerflaschen. Dieses Design ist keine moderne Erfindung. Es ist eine Hommage an die Geschichte des ältesten Champagnerhauses der Welt.
Eine Ode an das achtzehnte Jahrhundert
Maison Ruinart wurde 1729 gegründet. Damals wurden Weinflaschen noch von Hand hergestellt. Glasbläser formten jede Flasche einzeln, sodass keine zwei Flaschen exakt gleich waren.
Die Flasche, die Ruinart heute verwendet, ist inspiriert von der sogenannten Hammer Flasche. Diese Art Flasche war im achtzehnten Jahrhundert beliebt und hatte einen breiten Boden, runde Schultern und einen relativ schmalen Hals.
Ruinart selbst verweist auf das Gemälde Das Austernmittagessen aus 1735 von Jean-François de Troy. Auf diesem Gemälde stehen Champagnerflaschen, die auffallend den heutigen Ruinart-Flaschen ähneln. So verbindet das Haus sein modernes Erscheinungsbild mit seiner reichen Geschichte.
Wie wurden diese Flaschen hergestellt?
Im achtzehnten Jahrhundert gab es noch keine vollautomatischen Glasfabriken. Ein Glasbläser sammelte einen Klumpen geschmolzenes Glas an einer Glasmacherpfeife und formte die Flasche dann Schritt für Schritt durch Blasen, Drehen und Rollen über eine flache Platte, den sogenannten Marver.
Da jede Flasche von Hand hergestellt wurde, waren kleine Unterschiede ganz normal. Auch die Wandstärke konnte pro Flasche variieren.
Das Glas war dick und dunkel. Das schützte den Wein vor Licht und machte die Flasche stark genug, um dem Druck von Champagner standzuhalten.
Auf der Unterseite alter Flaschen sehen Sie manchmal noch eine raue Pontil-Markierung. Diese Narbe entstand, weil die Flasche während des Fertigstellungsprozesses an einer Eisenstange befestigt wurde.
Ein schmalerer Hals
Nicht nur der breite Bauch fällt auf. Auch die Mündung der Ruinart-Flasche ist kleiner als üblich.
Wo eine traditionelle Champagnerflasche normalerweise eine Öffnung von 29 Millimetern hat, verwendet Ruinart eine Öffnung von 26 Millimetern. Dieser Unterschied erscheint klein, verleiht der Flasche aber eine raffinierte und elegante Silhouette, die sofort erkennbar ist.
Ob dieser schmalere Hals auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Champagners hat, wurde nie überzeugend nachgewiesen. Die Wahl scheint deshalb vor allem ästhetisch und historisch zu sein.
Warum hat Louis Roederer Cristal eine durchsichtige Flasche?
Wo die Flasche von Ruinart auf das achtzehnte Jahrhundert zurückgreift, entstand die Flasche von Cristal durch ein besonderes Ereignis.
Im Jahr 1876 kreierte Louis Roederer eine exklusive Champagner für Zar Alexander II. von Russland. Der russische Kaiser war ein großer Liebhaber des Champagners des Hauses, lebte aber in einer Zeit, in der Attentate eine reale Gefahr darstellten.
Laut der historischen Erzählung stellte er deshalb zwei besondere Forderungen.
1. Die Flasche musste durchsichtig sein, damit der Inhalt sichtbar blieb.
Und der Boden musste vollständig eben sein.

Eine Flasche ohne Seele
Nahezu jede Champagnerflasche hat einen hohlen Boden. Diese Vertiefung wird auch die Wiege oder die Spitze genannt.
Cristal bildet eine Ausnahme davon. Die Flasche hat einen vollständig flachen Boden.
Der Überlieferung nach wollte der Zar verhindern, dass jemand etwas unter der Flasche verbergen konnte. Die transparente Flasche ermöglichte es außerdem, den Inhalt visuell zu überprüfen.
Ob jedes Detail dieser Geschichte historisch vollständig bewiesen werden kann, bleibt Gegenstand der Diskussion. Sicher ist jedoch, dass Cristal seit seiner Einführung für diese einzigartige Flasche bekannt ist.
Warum ist goldfarbene Folie um Cristal?
Normalerweise wird Champagner in grünes Glas abgefüllt. Das schützt den Wein vor UV-Licht. Cristal verwendet stattdessen klares Glas. Das macht den Champagner empfindlicher gegenüber Licht. Deshalb wird jede Flasche in die erkennbare goldfarbene Zellophanfolie verpackt. Dies schützt den Wein während der Lagerung und des Transports, ohne dass das ikonische Design verloren geht.
Warum hat De Venoge Princes eine so besondere Flasche?
De Venoge ist eines der wenigen Champagnerhäuser, bei denen nicht nur die Cuvée, sondern auch die Flasche eine historische Geschichte erzählt.
Der Cuvée des Princes wurde 1858 zu Ehren der Prinzen von Oranien kreiert. Damit hat dieser Champagner eine besondere Verbindung zum niederländischen Königshaus, die mehr als anderthalb Jahrhunderte zurückreicht.
Der charakteristische Flakon kam erst später. De Venoge ließ sich von den Kristallkaraffen inspirieren, in denen die europäische Aristokratie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Champagner servierte. Damals wurde Champagner regelmäßig umgegossen, da die Rüttel- und Enthefungsprozesse noch nicht so ausgefeilt waren wie heute und manchmal Bodensatz in der Flasche verblieb.
Der breite Bauch, der kurze Hals und die eleganten Rundungen sind eine moderne Interpretation einer solchen historischen Kristallkaraffe. Damit verbindet De Venoge zwei Geschichten in einer Flasche: eine Cuvée, die den Prinzen von Oranien gewidmet war, und eine Flasche, die an die Art und Weise erinnert, wie Champagner früher an europäischen Höfen serviert wurde.
Gerade diese Kombination macht die Princes-Flasche in Champagner einzigartig.
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