

Der historische Name: Pommery
Pommery ist ein Name mit viel Geschichte, aber auch mit großen Ambitionen und hohen Schulden. Da die Gruppe nun um Aufschub für einen Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro bittet, steht das Haus im Rampenlicht. Dennoch bedeutet das nicht, dass der Champagner aus den Blick gerät. Die Aktivitäten laufen weiter und die Gruppe setzt verstärkt auf ihre großen Namen, Terroirs und Premium-Cuvées.
Kurze historische Linie von Pommery
1836Der Ursprung von Pommery
Pommery wird oft auf 1836 datiert, als Louis-Alexandre Pommery in Reims tätig wurde. Der später berühmt gewordene Name Pommery & Greno entstand, nachdem sich Pommery mit dem Champagnergeschäft von Narcisse Greno zusammenschloss. Einige Quellen nennen daher 1858 als praktischen Startpunkt des Champagnerhauses in seiner bekannten Form. Das ist wichtig: 1836 ist der historische Ursprung, 1858 ist das Jahr, in dem Madame Pommery wirklich die Bühne betritt.1858Madame Pommery übernimmt
Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Jeanne Alexandrine Louise Pommery, besser bekannt als Madame Pommery, im Jahr 1858 die Leitung von Pommery & Greno. Sie baute das Haus mit einer klaren Vision aus: Champagner sollte raffiniert, frisch und von hoher Qualität sein. Laut Pommery selbst legte sie großen Wert auf die Herkunft der Trauben und sammelte im Laufe der Jahre Weinberge in den besten Gebieten der Champagne.1874Pommery und die Geburt von Brut Champagner
Einer der großen Meilensteine ist 1874. Madame Pommery brachte damals einen trockenen Champagner auf den Markt: Pommery Nature 1874. Das war besonders, denn Champagner war damals oft viel süßer. Pommery wird daher oft als das Haus genannt, das Brut-Champagner kommerziell auf die Landkarte setzte. Im Jahr 2024 feierte Pommery den 150. Jahrestag dieses Brut-Stils mit neuen Cuvées, darunter Apanage Brut 1874.1984Pommery kommt in Hände von BSN
Im zwanzigsten Jahrhundert wechselte Pommery mehrmals den Besitzer. Im Jahr 1984 kam das Haus, zusammen mit Lanson, in den Besitz von BSN, dem späteren Danone. BSN wollte sich später stärker auf Nahrungsmittel und weniger auf Wein und Spirituosen konzentrieren.1990/1991Teil von LVMH / Moët Hennessy
Im Dezember 1990 kaufte LVMH die Champagnerhäuser Pommery und Lanson von BSN für ungefähr 613 Millionen Dollar. Damit kam Pommery in die Luxusgruppe hinter unter anderem Moët & Chandon, Veuve Clicquot und Hennessy.2002Der Belgier Paul-François Vranken steigt ein
Im April 2002 verkaufte LVMH Pommery an Vranken Monopole, die Gruppe des belgischen Unternehmers Paul-François Vranken. Der Kaufpreis wurde damals auf 150 bis 180 Millionen Euro geschätzt. Der Deal umfasste unter anderem die Marke Pommery, die Niederlassung in Reims, die Keller, die Vorräte und die Lieferverträge. Nach dieser Übernahme wurde der Gruppenname Vranken-Pommery Monopole.2026Neuer Name: Maison Pommery & Associés
Im Jahr 2026 ging Vranken-Pommery Monopole unter dem Namen Maison Pommery & Associés weiter. Damit geriet Pommery noch stärker ins Zentrum der Identität der Gruppe. Die Gruppe präsentiert sich als Familienunternehmen rund um Marken wie Champagner Pommery, Champagner Vranken, Champagner Pompadour in Champagner Charles Lafitte
Wer ist jetzt Paul François Vranken?
Paul-François Vranken kam nicht als Außenseiter einfach so nach Pommery. Der Belgier hatte damals schon eine feste Champagnergeschichte geschrieben. Im Jahr 1976 ließ er sich in der Champagner und er baute seine eigene Marke Vranken nicht als kleines Familienhaus, sondern als eine Marke mit Ehrgeiz, Volumen und einem scharfen Gespür für den Markt.
Sein großer Durchbruch kam mit Übernahmen. 1996 kam Heidsieck.
Als er in 2002 Pommery van LVMH kocht, was dat dus kein Zufallstreffer. Es war der nächste große Schritt in einer ambitionierten Unternehmergeschichte. Der Deal wurde auf 150 bis 180 Millionen Euro geschätzt. Damit holte Vranken einen der bekanntesten Namen von Reims herein. Von da an wurde seine Gruppe Vranken-Pommery Monopole.
Das macht die aktuellen Nachrichten noch interessanter. Pommery ist nicht nur ein altes Champagnerhaus mit tiefen Kreidekellern und berühmten Cuvées. Es ist auch das Lebenswerk eines belgischen Unternehmers, der mit Mut, Übernahmen und kommerziellem Elan eine der größten Champagnergruppen aufbaute. Dieses Wachstum brachte Glanz, aber auch schwere finanzielle Verpflichtungen mit sich. Und genau da liegt jetzt das Problem.
Heidsieck & Co Monopole verkauft: Fokus auf Pommery und weniger Schulden
Der Verkauf von Heidsieck & Co Monopole scheint keine isolierte Entscheidung zu sein, sondern Teil einer umfassenderen Bereinigung. Maison Pommery & Associés möchte die Schulden reduzieren und die Energie stärker auf Pommery & Greno konzentrieren. Das ist logisch, aber auch aussagekräftig. Eine Marke, die seit 1996 zur Gruppe gehörte, wurde für 50 Millionen Euro verkauft. Damit wurden zwar Gelder frei, aber die Gruppe verlor auch eine historische Champagnermarke mit beträchtlichem Volumen.
Persönlich finde ich diese Wahl nicht unverständlich. Ich habe in den letzten Jahren verschiedene Cuvées von Heidsieck & Co Monopole probiert. Ehrlich gesagt: Sie rührten wenig in mir. Der Stil ist oft jung, frisch und ziemlich direkt. Das kann prima sein für den, der einen zugänglichen Champagner sucht, aber für Muselet suchen wir gerade etwas mehr Spannung. Mehr Tiefe. Mehr Charakter im Glas. Auch das Branding fühlte sich für mich nicht ganz passend an für das, was wir zeigen wollen: Champagner mit einer Geschichte, einem klaren Stil und einer eigenen Handschrift.
Deshalb findest du diese Cuvées nicht bei Muselet. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil sie uns schlicht und ergreifend nicht aufregend genug sind.
Die Zahlen hinter dem Druck auf Pommery
Hinter der schönen Geschichte von Pommery verbirgt sich derzeit eine harte finanzielle Realität. Die Gruppe erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von 293,2 Millionen Euro, was einem Rückgang von 3,6% gegenüber 2024 entspricht. Das ist auf einem Champagnermarkt, der schon seit längerem unter Druck steht, nicht ungewöhnlich, doch bei Maison Pommery & Associés bereitet vor allem die Schuldenlast Sorgen. Ende 2025 belief sich die Nettofinanzverschuldung, einschließlich IFRS-Anpassung, auf 754,4 Millionen Euro. Das entspricht fast dem 2,6-Fachen des Jahresumsatzes. Der Verkauf von Heidsieck & Co Monopole verschaffte zwar etwas Luft: Die erste Zahlung in Höhe von 25 Millionen Euro war bereits in den Zahlen enthalten, und Anfang Januar 2026 folgten weitere 25 Millionen Euro. Dennoch reichte dies nicht aus, um alle Spannungen zu beseitigen.
Der tatsächliche Druck wurde Ende April sichtbar. Maison Pommery & Associés bat um eine Stundung für eine Tilgung von 50 Millionen Euro, die am 29. April 2026 hätte fällig werden sollen. Gleichzeitig wurde die Veröffentlichung des Jahresberichts 2025 erneut verschoben, ebenso wie die jährliche Hauptversammlung. Das sind keine kleinen Signale. Wenn ein börsennotiertes Champagnerhaus seinen Jahresbericht verschiebt und mit Banken über eine wichtige Tilgung spricht, dann ist mehr im Gange als ein schwieriges Verkaufsjahr.
Dennoch ist das Bild nicht nur negativ. Im Jahr 2024 erzielte die Gruppe noch einen Umsatz von 304 Millionen Euro und ein EBITDA von 49,3 Millionen Euro bei einer Marge von 16,21 TP3T. Die Marken, die Lagerbestände, die Weinberge und die Marktposition von Pommery bergen also nach wie vor Wert. Doch die Champagnerherstellung ist kapitalintensiv. Man muss Trauben, Ernten, Lagerbestände und die mehrjährige Reifezeit finanzieren, bevor eine Flasche verkauft wird. Das macht eine hohe Verschuldung besonders heikel, vor allem bei steigenden Zinsen und einem Markt, in dem Verbraucher Champagner nicht mehr so selbstverständlich kaufen.
Kurz gesagt: Pommery hat nicht nur ein Imageproblem oder ein vorübergehendes Liquiditätsproblem. Die Gruppe muss ihre Finanzstruktur wieder in Ordnung bringen. Der Verkauf von Heidsieck & Co Monopole, die Fokussierung auf Pommery und die Ernennung von Nathalie Vranken zur Vorsitzenden und CEO passen alle in dieselbe Geschichte: weniger Breite, mehr Fokus und vor allem mehr finanziellen Spielraum.
Von Pommery-Familie zu Vranken-Familie
Von der ursprünglichen Familie Pommery scheint in der heutigen Führung keine direkte Rolle mehr über. Das Haus ist heute vor allem eine Vranken-Geschichte. Paul-François Vranken kaufte Pommery im Jahr 2002 und bleibt Vorstand, doch die tägliche Macht liegt inzwischen bei seiner Frau Nathalie Vranken. Sie ist Vorsitzende und CEO von Maison Pommery & Associés. Auch Tochter Pauline Vranken ist als Vorstand beteiligt. Auf der Seite des Weines wacht Cellermeister Clément Pierlot über den Stil von Pommery. So bleibt das Haus eine Familiengeschichte, aber nicht mehr die der Familie Pommery selbst.
Ein Familienunternehmen mit Börsendruck
Paul-François Vranken ist nicht alleiniger Eigentümer von Maison Pommery & Associés. Über die Compagnie Vranken kontrolliert er zwar gemeinsam mit seiner Familie die Gruppe, doch gibt es auch andere Aktionäre. Ende 2024 hielten private und institutionelle Anleger zusammen 28,394% des Kapitals. Die Aktien sind an der Euronext Paris und der Euronext Brüssel notiert.
Das macht die Geschichte besonders interessant. Laut der französischen Wirtschaftszeitschrift „Challenges“ wird das Vermögen von Paul-François Vranken und seiner Familie auf 310 Millionen Euro geschätzt. Davon entfallen 72 Millionen Euro auf börsennotierte Beteiligungen und 240 Millionen Euro auf nicht börsennotierte Beteiligungen. „Challenges“ schreibt außerdem, dass die Familie noch etwa 70% des börsennotierten Champagner- und Portweinkonzerns kontrolliert.
Pommery fühlt sich also immer noch wie ein Familienunternehmen an, aber mit Börsendruck. Die Familie Vranken gibt.
Was liegt auf der Bilanz?
Gemäß dem Jahresabschluss 2025 hatte Maison Pommery & Associés Ende 2025:
- Gesamtvermögen: 1,401 Milliarden Euro
- Vorräte und unfertige Arbeiten: 671,2 Millionen €
- Eigenkapital: 430,2 Millionen Euro
- Netto Finanzschulden: 754,4 Millionen Euro
- Bargeld: 10,4 Millionen €
- Umsatz 2025: 293,2 Millionen €
Der Vorrat von 671,2 Millionen € klingt enorm, aber bei Champagner darf man das nicht eins-zu-eins mit einem gewöhnlichen Handelsvorrat vergleichen. Champagner braucht Zeit. Flaschen liegen oft Jahre in den Kellern, bevor sie verkauft werden. Wenn ein Haus jährlich 1 Million Flaschen verkauft und es durchschnittlich 3 Jahre Vorrat gibt, dann liegen schon schnell 3 Millionen Flaschen reifend. Das gehört zum Modell.
Der Lagerbestand selbst ist also nicht das größte Problem. Tatsächlich ist dieser Lagerbestand auch der zukünftige Umsatz. Darin steckt Wert. Die Spannung liegt hauptsächlich in der Kombination mit dem Rest der Bilanz. Gegenüber einem Lagerbestand von 671,2 Millionen Euro steht eine Nettofinanzverschuldung von 754,4 Millionen Euro und nur 10,4 Millionen Euro an Bargeld. Dann wird Lagerbestand plötzlich mehr als ein werdender Champagner. Er wird auch eine mögliche Quelle für Liquidität.
Und da liegt der Haken. Ein Champagnerhaus möchte seine Flaschen in Ruhe reifen lassen und zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Preis verkaufen. Aber wenn die Schulden wiegen und Bargeld benötigt wird, kann dieser Luxus schwinden. Dann entsteht Druck, schneller zu verkaufen, härter zu verhandeln oder weniger strategische Parteien abzufertigen.
Ein öffentliches Aussterben von Pommery scheint mir immer noch nicht logisch. Dafür ist die Marke zu wichtig. Aber stille Lagerabverkaufsgeschäfte, bessere Konditionen und mehr Platz bei bestimmten Cuvées? Das wird durch diese Bilanz immer glaubwürdiger. Nicht weil der Vorrat an sich zu hoch ist, sondern weil der finanzielle Spielraum begrenzt ist.
Kein Champagner im Ausverkauf
Bei Muselet erwarten wir leider nicht, dass wir Pommery plötzlich scharf einkaufen können. Dafür ist die Marke zu wichtig und der sichtbare Preis zu empfindlich. Ein Champagnerhaus wie.



































