

Besondere Weintrauben
Am Anfang jeder Flasche Champagner stehen Trauben, aber nicht irgendwelche Trauben. Nur eine Handvoll Sorten ist nach den Regeln der AOC Champagne zugelassen. Jahrelang blieb diese Liste unverändert, bis im 21. Jahrhundert ein zaghafter Spielraum für Innovationen entstand.
Heute zählt der Champagner neun Offiziell zugelassene Rebsorten, jede mit ihrem eigenen Charakter, ihrer Geschichte und ihrem Beitrag zum Stil des Weins.
Die klassischen sieben
Die Grundlage des Champagners bilden drei bekannte Namen:
- Chardonnay (B) - Frische, Finesse und Eleganz
- Pinot noir (N) - Struktur und Kraft
- Meunier (N) - Fruchtigkeit und Rundheit
Darüber hinaus gibt es vier historische Trauben, die früher häufiger vorkamen und heute selten sind:
- Arbane (B)
- Petit meslier (B)
- Weißer Burgunder (B)
- Grauburgunder (G)
Die 8. Rebsorte: Voltis (zugelassen im Jahr 2021)
Im Dezember 2021 wurde zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein neuer Name hinzugefügt: Voltis.
Diese Hybridtraube wurde entwickelt, um widerstandsfähiger gegen Krankheiten wie Mehltau zu sein und so den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Ein bewusster Schritt in Richtung nachhaltiger Weinbau, ohne dabei die Identität der Champagne zu verlieren.
Voltis darf nur in kleinen Mengen angepflanzt werden (maximal 5% Rebfläche pro Erzeuger), und die ersten Champagner aus dieser Rebsorte werden erst in einigen Jahren auf den Markt kommen.
Die 9. Rebsorte: Chardonnay rose (zugelassen im Jahr 2025)
Am 12. Juni 2025 genehmigte der Nationale Ausschuss des INAO offiziell eine Änderung des "cahier des charges" der AOC Champagne. Damit wurde Chardonnay rose (Rs) als neunte zugelassene Rebsorte für die Produktion von Champagne und Coteaux Champenois hinzugefügt.
Diese Rebsorte ist eine natürliche Mutation des klassischen Chardonnay, mit einer blassrosa Schale, aber weißem Saft. Geschmacklich ist sie ihrem weißen Pendant sehr ähnlich, obwohl sie etwas blumiger und ausdrucksstärker sein soll. Noch sind die Anpflanzungen minimal, aber ihre Zulassung ist ein wichtiger Schritt: Die Champagne bleibt der Tradition treu, ist aber offen für Nuancen und Entwicklungen.
Erklärt kurz die Buchstaben
>In französischen Dokumenten steht oft ein Buchstabe hinter dem Namen einer Traube. Dies bezieht sich auf die Farbe der Schale:<
B = blanc (weiß)
N = noir (blau/schwarz)
G = gris (grau)
Rs = rosa (pink)
So unterscheiden die Winzer Varianten derselben Sorte, wie Chardonnay B und Chardonnay rose Rs.
Die Vorteile der Chardonnay-Rose
Die Zulassung von Chardonnay rose ist nicht nur eine symbolische Ergänzung, sondern bringt auch echte Vorteile für die Zukunft der Champagne.
1. Mehr genetische Vielfalt
Der Chardonnay rose ist eine natürliche Mutation des klassischen Chardonnay, und das bedeutet genetische Vielfalt. In einer Region, die weitgehend von einer kleinen Anzahl von Rebsorten abhängig ist, trägt diese Vielfalt dazu bei, dass die Weinberge widerstandsfähiger gegen Krankheiten und wechselnde klimatische Bedingungen sind.
2. Bessere Anpassung an den Klimawandel
Vorläufige Studien und praktische Erfahrungen zeigen, dass der Chardonnay rose etwas später reift als die weiße Sorte. Dies ist ein Vorteil in einer Zeit, in der die Sommer in der Champagne wärmer werden: Die Traube behält ihre natürliche Säure und Frische besser bei, wodurch sie hervorragend zum klassischen Stil der Region passt.
3. Neuer Ausdruck im vertrauten Stil
Obwohl die Rebsorte die gleiche genetische Basis wie der Chardonnay hat, gibt es subtile Unterschiede im Aroma. Die Winzer beschreiben Noten von weißen Blüten, Steinobst und einer sanften Würze, die einem Blanc de Blancs oder einem Verschnitt etwas mehr Tiefe verleihen. Die Hautfarbe hat keinen Einfluss auf die Farbe, wohl aber auf die Intensität der Aromen.
4. Kleiner Schritt, große Wirkung für die Innovation
Die Aufnahme von Chardonnay rose ist vor allem ein Signal, dass die Champagne auch einen Blick in die Zukunft wagt. Wie bei der Einführung von Voltis zeigt diese Entscheidung, dass die Region offen für kontrollierte Innovationen ist, ohne dabei die DNA der Region zu verlieren.
Champagne: der Tradition treu, offen für die Zukunft
Vom historischen Arbane über den modernen Voltis bis hin zum überraschenden Chardonnay Rose. Die Champagne entwickelt sich ständig weiter. Die Regeln sind streng, aber gerade diese Präzision sorgt dafür, dass hier Innovation und Tradition nicht aufeinanderprallen. Die Zukunft des Champagners ist also nicht nur prickelnd, sondern auch überraschend bunt.





























